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Es gibt auf der Welt einen einzigen Weg, den niemand gehen kann, außer Dir, frag nicht, wohin er führt. Geh ihn.
Friedrich Nietzsche
Geliebte Katze
Du warst eine Glückskatze, von der ich bis heute nicht weiß, ob Du jemals in Deinem Leben Glück hattest. Wahrscheinlich nicht.
Meine Nachbarin fand Dich am 2. September 2004, vor ihrer Tür, in einem erbärmlichen Zustand, von Flöhen ausgesaugt, klapperdürr, faulig riechend, voller Fliegeneier. Laufen konntest Du auch nicht mehr.
Das Zählen Deiner Zähne ergab: einen Eckzahn oben rechts.
Sofort fuhr ich mit Dir zu meiner Tierärztin, die erst einmal versuchte Dich mit Medikamenten und einer Infusion zu stabilisieren. Zuhause habe ich dann grob, mit einem Waschlappen, die Fliegeneier entfernt. Die zerquetschten Flöhe habe ich nicht gezählt. Danach habe ich noch Bolfo - Puder über Deinen Rücken verteilt.
Leider musstest Du die erste Nacht, unter einer Rotlichtlampe, im Wohnwagen verbringen, weil sich sonst die Flöhe auf meine 26 Katzen und 3 Hunde wohl gleichmäßig verteilt hätten. Schon beim Fressen warst Du fast eingeschlafen. Gute Nacht
Am nächsten Tag setzte ich Dich in die Badewanne. Das Wasser verfärbte sich nach wenigen Minuten blutrot ( Flohkot ), den äußere Verletzungen hattest Du keine. Ich rubbelte Dich trocken und fönte Dein wunderschönes dreifarbiges Fell. Diese Prozedur dauerte ungefähr eine Stunde in der Du nur schnurrtest. Noch Tropfen gegen Flöhe in den Nacken und Du warst erst einmal fertig.
Mit Nutrical, Dosenfutter, Joghurt, Leberwurst und gekochtem Hähnchenfleisch ernährte ich Dich. Ein Bettchen wurde in einem Wäschekorb gebaut und meiner Mutter fiel sofort Dein Name ein: Moses im Körbchen.
Samstags ging es Dir so schlecht, dass wir zur Tierklini fuhren. Die Diagnosen waren niederschmetternd. Im Blut fand man eine dicke Entzündung, keiner wusste wo. Die Ultraschalluntersuchung ergab: Trächtig
( mein Gott, in Deinem Zustand).
Nach mehreren Spritzen und Infusionen durftest Du heim. Hier krabbeltest Du in Dein Körbchen und schliefst sofort.
In den nächsten Tagen änderte sich nicht viel. Wenig fressen, viel schlafen. Urin - und Häufchenabsetzen klappte ganz gut.
Am 7ten September ging es Dir ganz gut, liefst herum und setztest Dich auf eine Fensterbank und schautest sehnsüchtig nach draußen. Wenn ich Dich zuviel streichelte oder anfasste verhautest Du mich. Ich nahm dies alles als gute Zeichen einer Genesung. Du hattest sogar etwas zugenommen, allerdings nur am Bauch, ( Nachwuchs? )
Nach einer Woche ging es Dir wieder schlechter, sodass wir jeden zweiten Tag zur Infusion mussten. Auch Antibiotikum musste ich Dir wieder geben. Eine dicke Entzündung im Mäulchen hinderte Dich am Fressen, aber immer hast Du es genossen bei mir auf dem Bauch zu liegen und Dich kraulen zu lassen. Dabei lief Dein Schnurrapparat ununterbrochen.
Zwei Tage später sah ich in Deine wunderschönen gelben Augen und glaubte zu sehen, dass Du nicht mehr leben konntest, aber unsere wunderbare Tierärztin glaubte noch immer, Dich irgendwie retten zu können. Du bekamst nochmals Infusionen, Tabletten und Spritzen. Da Dein Bauchumfang so sehr gewachsen war, wurde Dir auch Blut abgenommen, um es auf Corona - Viren untersuchen zulassen. Du hattest den ganzen Tag nicht einmal geschnurrt.
17. 09. 2004
Aufstehen mochtest Du nicht, hattest im Körbchen ein wenig gefressen und mir Joghurt vom Finger geleckt. Ich saß den ganzen Tag am Telefon, immer in der Hoffnung, dass Dir ein Medikament oder Jemand Dir helfen könnte.
Um 19 Uhr rief unsere Tierärztin an. VIP hattest Du nicht, aber zur Infusion sollten wir trotzdem kommen. Du wurdest nochmals genau untersucht und abgetastet. Mamatumore könnten wir später behandeln und trächtig wärst Du auch nicht. ( Was hatte der Doktor in Aachen gesehen? ).
Deine Leberwerte waren auch nicht ganz in Ordnung.
18. 09. 2004
Du lebtest noch, mehr schlecht als recht. Aufstehen mochtest Du nicht, hattest ins Körbchen gepinkelt und wolltest auch nicht essen. Arme Maus.
19.09.2004
An diesem Tag hattest Du mit richtig mit Appetit gegessen. Antibiotika hatte ich Dir gespritzt, obwohl ich kaum noch eine Stelle an Deinem Körper fand, die noch keine Dellen hatte, von all den Medikamenten und Infusionen.
20. 09. 2004
Morgens warst Du nicht gut drauf, wolltest nicht aufstehen und auch nicht essen. Ich nahm Dich in meine Arme und Du hast geschrieen, vor Schmerzen?
Ich wusste es nicht, aber ich spürte ganz genau, dass dies der Augenblick war, Dich zur Regenbogenbrücke zu bringen.
19 Uhr
Liebe Moses
Es tut mir heute unendlich leid, nicht mit Dir gefahren zu sein, bitte verzeih mir. Peter brachte Dich zur Ärztin. Du schliefst sanft ein und spürtest wahrscheinlich nichts. Machs gut im Regenbogenland, ich sehe Dich später.
Vielleicht hast Du dort ein eigenes Körbchen, aber zur Sicherheit hat meine Mutter Dir eines mitgegeben.
Viele liebe Freunde erwarten Dich in diesem wunderschönen Land
21. 09. 2004
Deine Obduktion ergab, dass Du Dich von dieser gravierenden Herzbeutelentzündung wohl nie mehr erholt hättest. Trächtig warst Du tatsächlich nicht.
Schade, dass Du die ersten Jahre, ca. 8, bei einem “ Menschen “ verbringen musstest, der Dich “ hundertmal “ trächtig werden ließ, Dir die Welpen wegnahm und tötete. Leider kenne ich diesen “ Herrn “.
Ich habe versucht, bei der Polizei Anzeige wegen Tierquälerei zu erstatten, bin dabei “ rein zufällig “ auf einen Katzenhasser gestoßen, der Katzen für Unkraut hält, also keine Chance. Dies zum Thema, Tierschutz in Deutschland.
Nur 18 Tage durftest Du bei uns sein. Wir lieben Dich, als wären es 18 Jahre gewesen.
Danke Dir, guter Schatz