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Filou

Filou lernte ich im Juli 2005 kennen. Er wurde vorher von einer Freundin draussen nur gefüttert. Sie hätte sich gerne mehr gekümmert, aber was so ein alter streunender Strassenkater ist, liess er das nicht zu.
Sie rief mich an, als er irgendwie krank aussah. Am selben Tag stellte ich eine Falle auf und abends um 10 Uhr saß er drin. Da er ein Mordstheater aufführte, parkte ich die Falle erstmal im Bad. Schon beim Versuch, die Falle zu öffnen, hätte er mich am Liebsten zerfetzt.
Die Augen waren mit Eiter verklebt, das Gesicht und auch am Körper hatte er Narben und die schönen weissen Füsse waren fast so schwarz wie er selbst. Er stank, ich sag mal, wie Pumapi....
Ihm passte das alles nicht. Er tobte, schimpfte, biss und kratze um sich.
Was nun?????????
Ich stülpte einen Wäschekorb über ihn. Wasser, Futter, Klöchen rein ins Bad. Korb ganz schnell weg und Tür zu. Wenn einer ins Bad musste, ging das nur mit einem Korb in der Hand.
Am nächsten Morgen ließ er sich zwar nicht anfassen, ging aber in den vorgehaltenen Kennel. Der TA mochte ihn nicht anfassen. Er schobs drauf, daß Filou so schmuddelig aussah, ich aber erkannte die nackte Angst in des TA Augen. Es war nicht der Arzt zu dem ich sonst gehe, sondern einer der Katzenhilfe. Er schaute sich Filou nur ganz grob an, erzählte was von Katzenschnupfen und ein AB würde er ihm geben, das sei ja nie falsch. Falsch war nur ich, bei diesem Dok. Mit Falknerhandschuhen gab er Filou ein AB in den Nacken und dann waren wir fertig. Na ja, wohl wieder eine Katze, die wir selbst finanzieren mussten. Nachmittags bin ich mit ihm zu meiner Tierärztin. Sie schaute den Kater an, strich ihm über den Kopf, redete ihm gut zu und sie konnte ihn komplett untersuchen. Meinen platten Gesichtsausdruck hätte man fotografieren sollen. Er hatte eine Bindehautentzündung, war nicht kastriert, ein älteres Modell. Klasse, wie sollte ich ihm die Augen auswaschen und mit Salbe versorgen? Zuhause biss und kratze er weiter um sich. Ich deponierte ihn dann ins Schlafzimmer. Nur Leute, die Katzen wirklich lieben, können in diesem Katergeruch schlafen. Den Kastratermin hatte ich 3 Tage später. Abends bin ich ganz mutig, mit Herzklopfen bis zum Hals, zum ihm hin, hab ihm erklärt, daß ich seine Augen waschen muß. Meine Hände und Unterarme sahen ja schon aus, wie durch einen Fleischwolf gedreht.
Sein Blick wurde anders, freundlich. er setze sich auf und ich "hörte" ihn sagen: Dann mach doch.
Zitternd nahm ich ein feuchtes Tuch, strich ihm über den Kopf und er drückte mir seinen Kopf in die Hand. Ich hätte heulen können. Ich durfte seine Augen auswaschen, mit Salbe versorgen und ihn streicheln.
Als wir zu Bett gingen, kuschelte er sich an meinen Bauch und wir haben gut geschlafen. Gibt es MEHR Glück?
Die Augen wurden heil, die Kastration überstand er wie ein " Mann " und seitdem ist Filou ein ganz liebenswerter freundlicher Kerl. Er begrüsst jeden draussen freundlich. Na ja, Hund mag er nicht besonders, geht aber knurrend ohne Angst an ihnen vorbei.  
Schön ist, daß aus einem verlotterten Streunerkater ein Schmusekätzchen werden kann.  
Sicher hat auch er sein Zuhause bei mir.
Filous Zähne machten mir seit ein paar Wochen Sorgen, weil er sabberte.
Manches geht bei einem solchen Kater nicht, z. B. ins Maul schauen.
Gestern Mittag war Termin mit Vollnarkose zur Zahnsanierung.
8 Zähne mussten raus, sogar ein Eckzahn.
Leider hatte er auch einen Tumor im Kiefer, der sich aber gut entfernen liess. Dieser Tumor ist auf dem Weg zum Pathologen. Wahrscheinlich Krebs.
Es geht Filou heute recht gut, hat ein bisschen gegessen, schläft aber noch viel.
Es wäre etwas einfacher, wenn ich wüsste, wie alt Filou ist. Die Frage kommt immer. Weiss ich aber nicht, irgendwas zwischen 5 und 20 Jahren.
Aufgelesener Streuner eben.
Wünscht ihm ein bisschen Glück, er ist ein guter Schatz.
Heute schreiben wir den 19. September 2007 und Filou lebt immer noch SEIN Leben.
Geniesst es, draussen zu sein, futtert gut, ist eigentlich wie immer.
Habe zwar gesehen, daß er wieder sabbert, aber unregelmässig.
Nächste Woche werde ich ihn wieder der Tierärztin zeigen, heute habe ich noch nicht den Mut dazu...

Von der Diagnose; Plattenepithelkarzinom, bis heute sind 15 Monate vergangen. Bei deiser Erkrankung ist das sehr lange.
Seit ein paar Tagen, bemerke ich, daß es ihm sichtlich schlechter geht.
In den nächsten Tagen wird er zum Regenbogen gehen.
Diese dumme Krebs wächst nun aus seinem Unterkiefer. Aber Schmerzen hat er nicht. Von dem schönen, stolzen Kater ist nicht mehr viel übrig.
Filou ist dünn, braun statt schwarz, sabbert. Sein Hundefutter liebt er aber immer noch.

Zwischenzeitlich machte sein Kiefer immer mal Probleme, die sich mit einem AB und Cortison - Depot behandeln liessen.

11.11.2008

Seit ein paar Tagen futtert Filou ohne Pause....
Gestern ging sein Blut zum Labor;
Schilddrüsenüberfunktion, eine dicke Entzündung, Leberprobleme und sein Herzchen lässt auch zu Wünschen übrig.

12.11.2008
Medis nimmt er..., naja, ins Mäulchen geben kann ich Nix, aber Leckerfutter " atmet " er förmlich ein.
Der merkt das gar nicht, futtert einfach seinen Teller leer.
Eigentlich soll er das Schilddrüsenmedi 3 mal täglich nehmen. Das geht nicht, weil ich diesen freiheitsliebenden, kranken Kater nicht einsperren möchte. Ich gebs ihm 2 mal täglich, lasse das Blut nochmal untersuchen.
Sollte er die Medis 3 mal brauchen, werde ich eine Lösung finden.

Dafür, daß er seit über einem Jahr gar nicht mehr leben sollte, gehts ihm gut. Fröhlich ist er, beisst und kratzt mich, wenns ihm etwas nicht gefällt, lässt keine andere Katze an " sein " Futter.
Hoffentlich bleibt er noch eine ganz lange Zeit.
Er liebt den Sommer so sehr, die Sonne, die Wärme.
Vielleicht bekommt er noch einen Sommer.
6.2.2009
Heute war der Tag, von meinem geliebten Streunerkatz Abschied zu nehmen.
Eigentlich wollte ich nur zum Dok mit ihm, um ihm die üblichen Medis geben zu lassen.
Bei der Unertuchung bat mich der Dok, Filou gehen zu lassen.
Ich sprach mit Filou, fragte ihn und ich glaube, er sagte ja.
Sehr schnell schlief er ein, mit seiner Sonne im Gesicht.
Für mich wars ein sehr schönes, friedliches, tröstendes Bild.

Lieber Filou,
mein Sonnenanbeter. Jetzt gehst Du.
Sehr lange hast Du noch bleiben können, nach dieser schrecklichen Diagnose.
Dafür danke ich.
Ausgerechnet heute strahlt Dein Stern.
Dir ins Gesicht, als du einschliefst.
Es war ein sehr schönes Bild.
Einen ganzen Sommer wollte ich Dir noch schenken....
Liebtest die Sonne so sehr.
Ach, mein Herz, wie liebe ich Dich.
Schlaf schön.
Traurige Grüße